LITHA
SOMMERSONNENWENDE
WENN HIMMEL UND ERDE IHRE HÖCHSTE KRAFT ERREICHEN
In alten Tagen, als die Menschen noch dem Atem der Wälder lauschten und die Sprache der Sterne verstanden,
erzählte man sich von einer unsichtbaren Mandorla, die nur einmal im Jahr vollständig sichtbar wurde.
Sie erschien zur Zeit der Sommersonnenwende.
Dann stand die Sonne am höchsten Punkt ihrer Reise.
Ihr goldenes Antlitz neigte sich zur Erde hinab.
Ein fruchbarer Liebesakt von Himmel und Erde erlangt den Höhepunkt.
Überall öffneten sich Blüten.
Die Felder standen schwer von Leben.
Die Bäume trugen ihr tiefstes Grün.
Lebensenergie glitzerte wie flüssiges Gold.
Die Sonne schenkte der Erde ihr kraftvollstes Licht.
Die Erde empfing es.
Zwischen Himmel und Erde war die große Mandorla des Lebens
in allen Lebewesen spürbar.
Jede Blüte war ihr Spiegel.
Jedes Korn ihr Symbol.
Jeder Mensch trug diese Mandorla ebenso in sich.
Denn was sich am Himmel vollzog, geschah zugleich im Inneren der Seele.
Die Alten wussten:
Die Sommersonnenwende ist nicht der Beginn des Lichts.
Sie ist seine Vollendung.
Kein Besitz für die Ewigkeit - eine Begegnung in Liebe.
Der Kelch ist gefüllt.
Die Rose ist geöffnet.
Die Frucht ist reif.
Und genau deshalb beginnt nun die langsame Rückkehr.
Denn alles, was seinen Höhepunkt erreicht,
darf auch wieder losgelassen werden - um sich zu wandeln.
Ganz natürlich.
So wie die Sonne nach diesem Tag unmerklich wieder sinkt,
so beginnt auch die Kraft der Erde,
sich wieder nach innen zu wenden.
Die große Mutter weiß:
Was im Licht empfangen wurde, darf nun ins Dunkel zurückkehren.
Und so steht die Sonne heute über uns
- als goldener Kuss auf der Stirn der Erde.
Wer an diesem Tag inne hält,
kann die Lebenskraft zwischen Himmel und Erde
im eigenen Körper pulsieren spüren...
SEGEN
Möge das Licht, das heute die Erde küsst, auch dein Herz berühren.
Möge das, was in dir gewachsen ist, nun Frucht tragen.
Mögest du vertrauen, dass jede kommende Dunkelheit nicht das Ende des Lichtes ist, vielmehr der Schoß, in dem neues Leben heranreift.
Heilung geschieht da,
wo Raum entsteht.