BELTANE
DIE HEILIGE BEGEGNUNG
Nach dem ersten Erwachen des Lichts, nach dem leisen Zittern von Ostara, wenn die Knospen sich öffnen und das Leben langsam zurückkehrt,
kommt eine Zeit, in der die Erde ruft.
Die Wiesen stehen nun in voller Blüte, schwer vom Duft, vom Saft, von der Kraft des Wachsens. Die Erde ist nicht mehr still empfangend - sie ist bereit.
Und über ihr spannt sich der Himmel, weit und klar.
In dieser Nacht, wenn der Vollmond über den Hügeln steht und sein Licht durch die Äste alter Bäume fällt, erinnerten sich die Menschen
an ihre tiefe Urnatur:
Beltane ist dieser Augenblick.
Die Erde öffnet sich.
Der Himmel antwortet.
Wo sich beide berühren, entsteht Leben.
Die Alten wussten:
Gegensätze müssen sich nicht bekämpfen.
Sie dürfen einander lieben, in ihrer Andersartigkeit.
Genau darin liegt ihre Kraft.
Sie stellten den Maibaum in die Mitte des Dorfes.
Ein aufgerichteter Stamm, geschmückt mit Bändern, Blüten und Farben.
Als Symbol für den Geschlechtsakt der Natur.
An die aufsteigende Kraft.
An das Durchdringen des Himmels in die Erde.
An die Bewegung, die alles Leben hervorbringt.
Die Bänder, die sich um ihn wanden, erzählten von Verbindung.
Von Kreisläufen. Der Kranz zeigt den Zyklus der Erde, der Mondin, der Weiblichkeit.
Ein Ineinanderfließen der Kräfte.
Die Menschen tanzten darum - als Teil dieses Geschehens.
Sie bewegten sich im Rhythmus des Lebens selbst.
Und auch zwischen den Menschen geschah,
was in der Natur längst im Gange war.
Frauen und Männer begegneten einander - aus einem tiefen inneren Wissen:
Dass durch ihre Verbindung etwas Größeres wirkt.
Der Körper galt dabei als Tor.
Zur ur-heiligen Kraft.
Die Berührung ein göttlicher Akt.
Was heute verloren scheint, war damals selbstverständlich:
Die Vereinigung zweier Menschen im Verbund
von Himmel und Erde.
Ein Zelebrieren
der selben Kraft, die Samen in die Erde fallen
lässt und Leben hervorbringt.
Darin war nie Unreines oder Niederes -
Sondern Würde.
Lebensenergie.
Heiligkeit.
Beltane erinnert uns daran:
Dass wir nicht getrennt sind von dieser Kraft.
Dass sie durch uns fließt.
Und dass jede echte Verbindung
ein Teil dieses großen, lebendigen Ganzen ist.
Heilung geschieht da,
wo Raum entsteht.