DIE WEIHENACHT

Die Geburt der kosmischen Lebenskraft im Schoß der Erde

Diese Erzählung wurzelt in alten Bildern rund um die Wintersonnenwende-
einem heiligen Schwellenraum - lange bevor Weihnachten eine religöse Form bekam.

 In der tiefsten Nacht des Jahres,
 wenn der Himmel schwarz wie Samt
 und die Sterne wie leise Hüter über der Welt wachen,
 zieht sich das Leben zurück.
Die Erde hält den Atem an.
 Felder ruhen.
 Bäume stehen im Schlaf.
 Alles scheint still,
 fast vergessen,
 als hätte das Leben selbst
 seine Spuren im Frost verloren.
Doch gerade in dieser Nacht,
 wenn es dunkler nicht mehr werden kann,
wo das Alte vollendet ist und das Neue noch verborgen ruht,
 geschieht das leise Wunder.
Aus der Weite des Kosmos
 löst sich ein Licht.
 Zart wie eine Sternschnuppe,
 sinkt es sanft und behutsam
 wie ein Segen aus der Ferne,
als Sternen-Samen von goldenem Wissen
 in den dunklen Schoß der Erde.
Die Erde empfängt dieses Licht, als Hüterin.
Dort, im verborgenen Raum,
 entzündet sich die Mandorla des Lebens:
 die Polarität
 von Himmel und Erde verschmilzt,
worauf " Leben " seinen Ursprung nimmt.
Was tot und leblos schien,
 beginnt als sanfte Lebenskraft zu fließen...

Diese Nacht galt den Alten
als heilige, geweihte Nacht.
eine Schwelle der Lebenskraft.

Die Nacht, in der Himmel und Erde
ihre Kräfte vereinen.
Ein heiliger, fruchtbarer Akt.
Die Menschen wussten um dieses Geschehen.
Sie fühlten es in der Erde unter ihren Füßen,
im Atem der Tiere,
im Saft der Pflanzen
und im eigenen Herzen.
Darum feierten sie diese Nacht
als Samen des Lebens.
 Als Rückkehr der reinen Lebenskraft,
die alles durchströmt. 
Sie weihten und segneten die Nacht.
Räucherten Kräuter und Harze,
ließen den Duft von Fichte und Tanne
durch ihre Räume ziehen.
Sie schmückten ihre Häuser mit Immergrün,
hängten rote Äpfel in ihre Zweige,
als Zeichen von Blut, Fruchtbarkeit und Leben.
Sie brachten Licht ins Haus,
  um es zu segnen, entzündeten Feuer
aus tiefer Ehrfurcht an die Schöpfungskraft. 

 

Denn sie wussten:
 Dieser Funke lebt nicht nur im Kosmos.
 Es senkt sich in die Erde und ihren Pflanzen.
 In den Tieren.
 Und letztlich auch im Menschen. 
Von da an wächst die Lebensenergie Tag für Tag, 
Die Tage werden länger.
Die  Wurzeln der Pflanzen trinken Licht,
 lange bevor es an die Oberfläche steigt. 

Im Bauch der Erde reift neues Leben heran.
 Bis eines Tages
 die ersten Blüten erscheinen
 und ihren Nektar des Lebens verströmen.
Dieses stille Licht nährt alles, was lebt.
 Es zieht durch Körper und Zellen,
 durch Visionen und Träume.
 Es entzündet Lebenslust,
 Wärme und Vertrauen.

Pure Lebenskraft, geboren im Stillepunkt der Erde.

Zelebriere in diesen Weihenächten diese stille Kraft in dir.
Wenn du Inne hältst,
 kannst du es vielleicht spüren:
Dieses leise Pulsieren der heilsamen Lebenskraft
in deinem eigenen Körper.

Gesegnete Weihenacht,
wünscht dir und deinen Liebsten,
Nina Laube